Aktien Schweiz – wie schlägt sich Minimum Varianz ohne «Big3»?

01.07.2019

Drei grosse Firmen dominieren den Schweizer Aktienmarkt: Nestlé, Novartis und Roche. Die «Big3» machen, gemessen an der Marktkapitalisierung, in den letzten 15 Jahren rund 50% des Gesamtmarktes aus. Diese Konzentration ist nicht unproblematisch und wirft insbesondere bezüglich Diversifikation einige Fragen auf. Nichtsdestotrotz geniessen die drei Titel für viele Anleger alleine aufgrund ihrer Grösse einen besonderen Status und ein systematischer Ausschluss scheint für die meisten fast undenkbar. Doch wie sieht es tatsächlich aus? Wie abhängig ist ein Portfolio von den «Big3»? Wie gross ist ihr Beitrag zum Risiko des Portfolios? Welchen Einfluss hat ein Ausschluss auf die Portfolioperformance? Und nicht zuletzt: Darf man so weit gehen, auf diese drei Firmen gar ganz zu verzichten?

Nachfolgend zeigen wir, wie sich ein systematischer Ausschluss der drei grossen SPI-Titel auf das OLZ Minimum-Varianz Portfolio auswirkt. Dazu berechnen wir zwei Varianten unseres Aktien Schweiz Modells: eine basierend auf dem normalen SPI-Universum («OLZ Eq CH Opt») und die andere unter Ausschluss von Nestlé, Novartis und Roche («OLZ Eq CH Opt excl Big3»).[1] Als Benchmark dienen sowohl der SPI als auch eine reskalierte Abwandlung ohne die drei grossen Titel («SPI excl Big3»).[2] Die Resultate für die Periode von 2003 bis 2019 sind in den folgenden beiden Darstellungen ersichtlich[3]:

Daraus lassen sich folgende Beobachtungen ableiten:

  • Auch unter Ausschluss der drei grossen Titel wird mit der OLZ Minimum-Varianz-Strategie eine deutliche Outperformance gegenüber dem SPI erreicht.
  • Die OLZ-Optimierung ist deutlich weniger abhängig von den drei grossen Titeln als der Index. Das zeigt sich in den kleineren Renditeunterschieden der OLZ-Strategien mit und ohne Ausschluss.
  • Überraschenderweise hat der Ausschluss der «Big3» auch auf den SPI langfristig nur einen kleinen Einfluss («SPI excl Big3»). Dies ist umso erstaunlicher, als diese zusammen mehr als die Hälfte der Marktkapitalisierung im Index ausmachen.
  • Der Ausschluss der «Big3» führt sowohl in der OLZ-Strategie als auch im SPI zu einer höheren Standardabweichung sowie einem deutlich grösseren Maximum Drawdown.
  • Der Ausschluss der «Big3» führt zu einem leicht höheren Turnover im OLZ-Portfolio.

Die gezeigten Simulationen wurden nach allen Regeln der Kunst erstellt: Sie verwenden nur die zum jeweiligen Zeitpunkt verfügbaren Informationen (Out-Of-Sample) und berücksichtigen realistische Kosten. Trotzdem wollen wir die gezeigten Resultate anhand eines Vergleichs zum effektiv realisierten Track-Record unseres Fonds «Equity Switzerland Optimized ESG» auf ihre Robustheit hin überprüfen.[4] Dazu analysieren wir die Portfolios gesondert für den Zeitraum von 2011 - 2019. Die Resultate hierzu finden sich in den beiden folgenden Darstellungen:

Wie erwartet, unterscheiden sich die Resultate im Vergleich mit der längeren Periode kaum. Folgende Punkte lassen sich darüber hinaus festhalten:

  • Der Ausschluss der drei grossen Titel verändert das Risiko-Rendite-Profil des SPI deutlich stärker als dies bei den Minimum-Varianz-Portfolios der Fall ist.
  • Auch für diese Subperiode erreichen die risikobasierten OLZ-Strategien verglichen mit den kapitalgewichteten Benchmarks bei tieferem Risiko eine deutliche Outperformance (nach Kosten).
  • Der Live-Track-Record unseres Fonds unterscheidet sich nur geringfügig von den Simulationen. Auch dieser erreicht für die untersuchte Periode eine deutliche Outperformance und glänzt zudem mit dem geringsten maximalen Drawdown.

Zusammenfassend lassen sich die eingangs gestellten Fragen wie folgt beantworten: Ein Ausschluss der «Big3» aus dem SPI-Universum beeinflusst die Risiko-Rendite-Eigenschaften der untersuchten Portfolios nicht dramatisch. Insbesondere die risikooptimierte OLZ-Strategie zeigt sich weitgehend resistent gegenüber Ausschlüssen einzelner Titel und ist in der Lage, die betroffenen Aktien durch Alternativen mit ähnlichen Risikoeigenschaften zu substituieren und so die Beschränkung der Freiheitsgrade zu absorbieren.


Autoren:

  • Lorenz Beyeler (Head of Research)
  • Stefan Oppliger (Research Analyst)

 

[1] Anders als bei der OLZ üblich, verzichten wir bei beiden Modellen bewusst auf ESG-Restriktionen, da deren Anwendung Novartis aufgrund von Kontroversen von vornherein ausschliessen würde.

[2] Die beiden OLZ Portfolios basieren auf unserem Minimum-Varianz-Ansatz und werden vierteljährlich umgeschichtet. «SPI excl Big3» ist ein selbst berechneter Index mit der gleichen Rebalancingfrequenz wie die zwei OLZ Portfolios. Zu den jeweiligen Zeitpunkten generieren wir ein Indexportfolio mit der Kapitalgewichtung des SPI, schliessen aber die «Big3» aus und reskalieren die Gewichte.

[3] Die Simulation geht von Juni 2003 bis März 2019. Für die OLZ Portfolios wurden jährliche Kosten von 70 Basispunkten sowie Transaktionskosten von 25 Basispunkten auf dem entsprechenden Turnover/Umsatz berücksichtigt.

[4] Die Renditen des Fonds «Equity Switzerland Optimized ESG» verstehen sich nach Abzug aller Kosten (TER). Seit April 2018 schliessen wir Novartis aufgrund von ESG-Kontroversen aus dem Anlageuniversum aus.